Das Trump-Syndrom

Was versteht man unter dem Begriff Trump-Syndrom?

In einem Blogartikel bei Edition Blaes zum Thema Marketing-Award habe ich gestern einen Begriff kreiert: Trump-Syndrom.

Hier die Bedeutung des Wortes:

Trump-Syndrom

Eine ansteckende Geistesverfassung, bei der

  • Lautstärke als Kompetenz
  • Selbstüberschätzung als Stärke
  • Fakten als Meinung
  • Schmeicheleien als aufrichtiges Lob

missverstanden werden.

Typische Symptome

  • reflexartiges „Fake News!“, sobald die Realität lästig ist
  • simples Weltbild: Ich = Genie, Kritiker = Feinde und/oder Deppen
  • Dauerempörung bei gleichzeitiger Opferpose
  • Narzissmus im XXL-Format, verpackt als „gesunder Menschenverstand“
  • sachliche Debatten werden zur Wrestling-Show umgemünzt

Verlauf

  • verschlimmert sich bei Social Media
  • ist hoch ansteckend in Krisenzeiten
  • ist resistent gegenüber Bildung, Studien und Ironie

Therapie (hoffnungslos)

  • Fakten → wirkungslos
  • Dialog → wird als Schwäche gewertet
  • Satire → wird nicht erkannt, aber wütend geteilt

Prognose

Nicht heilbar, nur minimal eindämmbar – durch Medienkompetenz, Humor und gelegentliches Ausschalten des Internets.

Hier das Wort als Lexikondefinition:

Trump-Syndrom, Substantiv, Neutrum

Definition:

Polemische Bezeichnung für ein politisch-soziales Verhaltensmuster, bei dem Egozentrik, Faktenverachtung und aggressive Vereinfachung als Ausdruck von Stärke missverstanden werden.

Merkmale:

  • Ersetzung rationaler Argumente durch Lautstärke und Inszenierung
  • ausgeprägte Neigung zu Schwarz-Weiß-Denken und Feindbildkonstruktion
  • chronische Selbstüberschätzung bei gleichzeitiger Opferwahrnehmung
  • Ablehnung von Expertise zugunsten „gefühlter Wahrheit“
  • instrumentelle Nutzung von Empörung zur Machtsicherung

Verwendung:

Zur Beschreibung von Akteuren oder Milieus, die demokratische Diskurse durch Polarisierung, Personenkult und Provokation entleeren, ohne konstruktive Lösungen anzubieten.

Abgrenzung:

Nicht identisch mit Populismus, jedoch häufig mit ihm vergesellschaftet; unterscheidet sich durch ausgeprägten Narzissmus und mediale Dauerinszenierung.

Beispielsatz:

„Die Debatte scheiterte weniger an Sachfragen als am Trump-Syndrom aller Beteiligten.“

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