Seit einiger Zeit geistern sogenannte »Berechtigungsanfragen« von »Copytrack« durchs Internet.
Ist Copytrack ein seriöses Unternehmen oder ein Abzocker?

Internetabzocker vermehren sich wie Pilze in einem warmen Spätsommer. Über einige habe ich bereits berichtet. Zum Beispiel:
First Telecom

Stornieren bei

Beide Unternehmen sind sehr fragwürdig, und die Frage ist berechtigt, ob es sich dabei nur um Abzocker handelt (also Typen, die die Dummheit, Naivität oder Angst, anderer Zeitgenossen be- und ausnutzen) oder um Betrüger. Welcher Begriff juristisch korrekt wäre … das zu beurteilen, überlasse ich anderen.
Copytrack
Menschen sind kreativ. Besonders Menschen, die gern andere Menschen abzocken.
Heute also bekam ich Post von Copytrack. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das Fotos im Internet aufspürt, die unberechtigterweise, also ohne Lizenz (ohne Erlaubnis der Urhebers), veröffentlicht wurden. Im Grunde ist das eine lobenswerte Sache, denn dass im Internet geklaut wird, und dass Menschen auch noch glauben, sie dürften das – egal, ob Fotos, Texte oder gar ganze Rezeptideen – ärgert mich selbst.
Dass es nun »Unternehmen« gibt, die das auf sehr fragwürdige Weise ausnutzen, ist eine andere Sache. Und wie Copytrack bewertet wird, kann man auf deren Website betrachten.

In der E-Mail von Copytrack steht, dass ich »ein Bild möglicherweise ohne Erlaubnis« verwende. Möglicherweise!


Ich habe das monierte Foto vor vielen Jahren bei Freepik erworben. Freepik ist ein Fotoportal, bei dem man Fotos runterladen kann. Dabei gibt es zwei Varianten:
- kostenlos – man darf das Foto verwenden, muss aber den Urheber erwähnen
- Premium – man darf das Foto verwenden, ohne den Urheber zu erwähnen
Bei Freepik bin ich seit vielen Jahren Premium-Mitglied, darf also die dort runtergeladenen Fotos auf meinen Websites ohne Nennung des Urhebers verwenden.
Das Foto habe ich bei meinem Kochlustblog verwendet – und wurde von Copytrack darauf hingewiesen, dass ich es »möglicherweise ohne Erlaubnis« verwende (sh. obigen Screenshot der Mail).
Hinweis: Ich wurde nicht abgemahnt! Stattdessen werden Vermutungen über eine »etwaige Rechtsverletzung« geäußert.
Und genau das ist der feine Unterschied und deshalb juristisch relevant. Eine unberechtigte Abmahnung ist strafbar. Ein Hinweis auf eine »möglicherweise unberechtigte Veröffentlichung« ist nicht strafbar.
Genau das ist die Masche des als Abmahner kaschierten Unternehmens namens Copytrack. Denn es tut so, als würde es »abmahnen« – das ist aber nicht der Fall. Denn liest man den Text genau, so weist Copytrack lediglich darauf hin, dass möglicherweise eine unberechtigte Verwendung eines Fotos besteht.

Aber trotzdem will Copytrack Kohle! Und genau das ist der Knackpunkt.
Obwohl in der Mail nur Vermutungen geäußert werden (falsche Tatsachenbehauptungen wären – wie geschrieben – gesetzeswidrig!), klingt der Text bedrohlich, und ich vermute, dass viele der Mail-Empfänger deshalb den geforderten Betrag bezahlen.
| »Unser Kunde hat uns darüber informiert, dass Renate Blaes ein Bild möglicherweise ohne Erlaubnis verwendet, und hat uns exklusiv mit der Aufklärung, Verwaltung der Bildrechte und ggfls. der Durchsetzung einer etwaigen Rechteverletzung im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland beauftragt.« Diese Formulierung ist SEHR interessant: … Bild möglicherweise ohne Erlaubnis verwendet … Der »Kunde« (Concept-Production) hat nicht den geringsten Beweis für die missbräuchliche Nutzung eines Fotos, sondern schwafelt von etwaiger Rechtsverletzung. Genau das ist die Methode: Angst machen. Und die Beweislast umdrehen: |
| Im Auftrag unseres Kunden müssen wir zunächst feststellen, ob Sie eine gültige Lizenz für die Verwendung der entsprechenden Bilder besitzen. Wenn Sie über eine gültige Lizenz zur Verwendung dieser Bilder verfügen, antworten Sie bitte auf diese E-Mail und fügen Sie einen Kaufnachweis sowie alle weiteren Lizenzinformationen bei. |
Ich soll also einen Kaufnachweis erbringen. Das habe ich nicht gemacht.
Grund:
Ich muss einem mir unbekannten Unternehmen nicht irgendwelche Nutzungsrechte nachweisen.
Im Gegenteil:
Mir muss nachgewiesen werden, dass ich ein Foto ohne Nutzungsrechte veröffentliche.
Das Foto habe ich rechtmäßig bei Freepik erworben, und weil Internetabzocker sich vermehren wie die Karnickel, habe ich nach Copytrack im Zusammenhang mit Concept-Production gegoogelt. Hier das Ergebnis:



Fazit: Copytrack wird allgemein als sehr unseriös eingestuft.
Ich habe Copytrack eine Antwort-Mail auf die heutige »Mahnung« geschickt und darauf hingewiesen, dass ich das Foto bei Freepik erworben habe.

Spontane/automatische Antwort:
Dear Sir or Madam,
Thank you for contacting us.
We note that you mentioned one of the stock image agencies in your email.
To resolve this matter, we kindly request that you provide dated proof of your license (for example, an invoice or a screenshot of your download history). Once received, we will be able to close this case immediately. You may simply reply to this email with the required documentation.
Please be assured that COPYTRACK has never alleged that you committed copyright infringement. In our initial correspondence, we only indicated that you may be using our client’s images without proper authorization and therefore requested dated proof of your license.
Best regards,
Your COPYTRACK Team
RD Legal GmbH (COPYTRACK)
Saarbrücker Straße 18
10405 Berlin
Germany
Beweislast umdrehen
Abgesehen davon, dass ich in der ersten Mail auf Deutsch angesprochen wurde, die Antwort-Mail aber auf Englisch verfasst wurde, ist meine Erkenntnis:
Copytrack möchte die Beweislast umdrehen.
Aber:
Nicht ich muss beweisen, dass ich das Foto verwenden darf, sondern Copytrack bzw. der Auftraggeber Concept-Production muss beweisen, dass er:
- die Rechte am Foto hat
- ich keine Rechte am Foto habe
Punkt 2 ist besonders relevant, denn Urheberrechte können zwar nicht weitergegeben werden, aber Nutzungsrechte sehr wohl. Und da ich das Foto über Freepik erworben habe, darf ich es auch verwenden.
Ich habe eine Premium-Lizenz, darf also alle Fotos verwenden, privat und beruflich.

Heute Abend dann habe ich diese Nachricht bekommen:

Interessant: Ich werde in dieser Mail als »sehr geehrte Damen und Herren« angeredet. In der ersten Mail wurde ich mit »Sehr geehrte(r) Renate Blaes« angeredet.
Über den weiteren Verlauf werde ich berichten.
Übrigens: Ob Copytrack für Fotografen und deren Rechte tatsächlich relevant ist, wird in diesem Artikel bei greatif beschrieben.

